AOK Nordost - IT-Beziehungen professionell steuern

Sascha Porbadnik, IT-Leiter der AOK Nordost Foto: Christian Lietzmann
Sascha Porbadnik, IT-Leiter der AOK Nordost Foto: Christian Lietzmann

Die Krankenkasse AOK Nordost hat damit begonnen, die Geschäftsbeziehung zu ihrem eigenen IT-Dienstleister zu professionalisieren. Ein Benchmark-Projekt bildet die Grundlage hierfür.

Ein großer Anteil am IT-Budget der AOK Nordost (bis 31.12.2010: AOK Berlin-Brandenburg) fließt zur Tochtergesellschaft GKV Informatik (GKVI), berichtet Sascha Porbadnik, Leiter der Stabsstelle IT. Die GKVI, eine Ausgründung mehrerer AOKs sowie der Barmer, ist ein stattlicher IT-Dienstleister, jedoch nicht am Drittmarkt tätig. Rund 500 Mitarbeiter betreuen die komplette IT von mehr als 35.000 Anwendern. Angesichts der engen Bindung lag es nahe, die Geschäftsbeziehung auf ein festes Fundament zu stellen. Von der Neustrukturierung und Formalisierung des Verhältnisses sowie der eigenen Anforderungen versprach sich Porbadnik „eine neue Qualität in der Zusammenarbeit“. Die GKVI, so das Ziel, „soll wie ein normaler Dienstleister behandelt werden“.

Der angestrebte Wandel erforderte aber auch Konsequenzen in der IT-Governance der AOK Berlin-Brandenburg, die seit Januar 2011 zusammen mit der AOK Mecklenburg-Vorpommern als AOK Nordost firmiert: „Wenn wir den Dienstleister anders als bisher steuern wollen, verlagert sich unser Fokus von den Inhalten auf die Schnittstelle“, berichtet Porbadnik, der zum IT-Leiter der fusionierten Kassen aufgestiegen ist. Zur Schnittstelle zählen beispielsweise die Service Level Agreements (SLAs) und die Ausgestaltung der Verträge.

Loslassen lernen

Der Schritt sei notwendig, denn schließlich könne man als Außenstehender keine wirkungsvolle inhaltliche Kontrolle ausüben, da man nicht mehr in die Betriebsabläufe eingebunden ist. So gehöre zu einem guten Verhältnis von Auftraggeber und Auftragnehmer, nicht nur Personal und die Betriebsaufgaben an den Dienstleister zu übergeben. „Wir als Kunde müssen vor allem loslassen lernen und nicht mitsteuern wollen, von welchem Lieferanten ein PC für uns gekauft oder geleast wird, wenn er den Qualitätskriterien entspricht“, räumt der IT-Chef ein.

Unterstützung bei der Fokussierung von den Inhalten auf die Schnittstelle hat sich die AOK durch einen Marktpreis-Benchmark von Maturity geholt, in einem Pilotprojekt wurde der User-Helpdesk analysiert. „Wir wollten abschätzen können, wie der Weg eines Benchmarks verläuft, welche Daten wie erhoben werden und wie aussagefähig die Ergebnisse sind“, sagt Porbadnik. Geplant ist nun, Marktpreisvergleiche schrittweise auf alle Leistungen im Portfolio des Service-Providers GKVI anzuwenden.

„Ich wollte sehen, ob beim Benchmark nur blanke Zahlen herauskommen und wie fundiert die Leistungserhebung ist“, beschreibt Porbadnik die Ziele des Pilotprojekts. Die Fragenkataloge waren sehr umfangreich, „aber der Aufwand hat sich gelohnt.“ Auch der Benchmarker müsse diese Phase bewältigen, denn nur dann könne er sinnvoll entscheiden, mit welchen Zahlen er weiterarbeiten muss, um beispielsweise die Vergleichsunternehmen auszuwählen. Zudem müsse der Benchmarker die IT des Kunden auch verstehen wollen, argumentiert Porbadnik: „Mit einem zweistündigen Telefonat lässt sich das nicht erreichen.“

Download des Anwenderberichts IT-Benchmark bei der AOK Nordost als PDF-Datei

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