Fraport AG - Benchmark als Zwischenbilanz

Dr. Roland Krieg, CIO der Fraport AG.
Dr. Roland Krieg, CIO der Fraport AG.

Die Fraport AG hat ihr Rechenzentrum, den Service Desk und die Netze an den Dienstleister Operational Services (OS) ausgelagert, ein Joint Venture mit T-Systems. Fraport-CIO Dr. Roland Krieg konnte nach einem Benchmark Zwischenbilanz ziehen.

Maturity: Sie haben die Preise und Leistungen ihres Outsourcing-Vorhabens mittels eines Benchmark-Projekts kontrolliert. Was war der Grund für den Schritt?

Krieg: Im Outsourcing-Vertrag wurde damals auf unseren Wunsch hin festgelegt, dass nach drei Jahren ein Benchmark durchgeführt wird. Wir haben damit keine grundsätzliche Überprüfung des Gesamtwerkes beabsichtigt. Unser degressiver Outsourcing-Vertrag sieht vor, dass die uns in Rechnung gestellten Kosten in den ersten Jahren jeweils um gut fünf Prozent sinken. Die Absicht war nun, konkret herauszufinden, ob wir unsere ursprünglichen Ziele erreicht haben und auch im vierten Jahr noch einen konkurrenzfähigen Marktpreis zahlen. Das wollte ich unbedingt in Erfahrung bringen, und das weiß ich jetzt.

Maturity: Was war das Ergebnis des Benchmarks?

Krieg: Durch den Benchmark haben wir die Erkenntnis gewonnen, dass die Preise unseres Dienstleisters OS marktfähig sind. Die Gesamtsumme kann sich mit dem besseren Teil der Marktpreise messen lassen. Natürlich gibt es Einzelwerte, die über oder unter dem Durchschnitt liegen, aber das war für uns keine Überraschung. Wer viele Ausschreibungen macht, weiß, dass auch der insgesamt günstigste Anbieter in Teilkosten überraschend hoch liegen kann. Fazit: Der Gesamtwert stimmt, die Ausreißer nach oben und unten gleichen sich aus, und vertragliche Konsequenzen ergeben sich nicht.

Maturity: Die Ausreißer nach oben sind für Sie sicherlich interessanter. Wie gehen Sie dagegen vor?

Krieg: Einige Preise sind revisionswürdig, das müssen wir im Detail prüfen. Ein Grund für die Diskrepanzen liegt sicherlich in unserem relativ komplexen Modell, mit dem wir seit dem Start des Joint Ventures Mehrungen und Minderungen in Umfängen und Leistungen berechnet haben. Das Modell besteht aus einem Sockelbetrag, einem linear ansteigenden Betrag bis zum Erwartungswert und darüber hinaus einem weiteren linearen Anstieg, der aber wegen der Skaleneffekte flacher verläuft. Diese so genannte ‚Krieg’sche Formel’ zur Prognose der Preisentwicklung ist von uns am Anfang des Outsourcing-Vorhabens entwickelt worden.

Maturity: Wie fällt Ihre Zwischenbilanz des Outsourcing-Vorhabens aus?

Krieg: Mir war bei Abschluss des Vertrages wichtig, nach einer gewissen Zeit zu sehen, ob sich unsere ursprünglichen Vorstellungen und Erwartungen als richtig erwiesen haben. Dies betrifft nicht nur die Entwicklung der Preise und Leistungen mit unserem Modell der Economies of Scale, sondern auch die gemeinsame Zusammenarbeit. Hier muss man permanent nachjustieren, denn wie bei den Preisen gibt es Höhen und Tiefen. Unter dem Strich aber haben wir überaus positive Erfahrungen mit dem Outsourcing gemacht und würden den Schritt auch jederzeit wieder gehen.

 

Zur Person

Dr. Roland Krieg ist Senior Vice President IT der Fraport AG. Das Joint Venture OS (Operational Services) gehört Fraport und T-Systems zu gleichen Teilen.

Download des Interviews mit Dr. Roland Krieg als PDF-Datei

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