HVB Systems - Fragen an: Thomas Schmidt

Thomas Schmidt ist Manager Performance Measurement der HVB Systems GmbH

zur Kostenplanung bei der SAP-Anwendungsentwicklung

Thomas Schmidt ist Manager Performance Measurement der HVB Systems GmbH

„Mit Hilfe von Benchmarking
wird das Ganze erst griffig.“

Herr Schmidt, die HVB Systems gilt allgemein als sehr gut aufgestellt. Sie haben trotzdem Verbesserungsbedarf gesehen und ihre Anwendungsentwicklung im Bereich SAP auf den Prüfstand gestellt, warum?

Schmidt: Das entscheidende Stichwort lautet Transparenz. Wir wollten genauer wissen, wie produktiv unsere Anwendungsentwicklungsprojekte tatsächlich sind. Zum einen verwendet unsere Geschäftsführung auch Produktivitätskennziffern, um im Rahmen der Balanced Scorecard über Zielvereinbarungen zu steuern. Und zum anderen weisen wir unseren Kunden in der HVB-Gruppe nach, wie wettbewerbsfähig wir sind und dass kein externer Anbieter so leicht ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bieten kann.

Es ging also darum, aufzuzeigen, wie gut die HVB Systems tatsächlich ist?

Schmidt: Das war ein Punkt: Wir wollten wissen, wie sich die Produktivität unserer Anwendungsentwicklung im Zeitverlauf entwickelt und wie wir im Vergleich zu anderen Anbietern dastehen. Mit Hilfe von Benchmarking wird das Ganze erst griffig und die peergroups waren sorgfältig ausgewählt: selbstständige IT-Anbieter ebenso wie ITEinheiten anderer Finanzdienstleister. Es ging uns aber nicht alleine um eine Standortbestimmung oder – auch das ein wichtiger Punkt – um die permanente Gewinnung von Ansätzen für prozessverbessernde Maßnahmen. Vor allem wollten wir die gewonnenen Parameter nutzen, um den Aufwand für künftige AE-Projekte vor Projektstart besser abzuschätzen.

Es heißt doch immer, das geht gar nicht, die SAP-Anwendungsentwicklung sei nicht planbar?

Schmidt: Das wird schon mal behauptet. Aber mit Hilfe von Maturity und ihren Benchmarkdaten ist es uns gelungen, ein Messverfahren zu entwickeln, das die Produktivität nachvollziehbar und bewertbar macht. Und dank der so gewonnenen Parameter können wir auch den Aufwand künftiger AE-Projekte sicherer kalkulieren.

Wie funktioniert das?

Schmidt: Die Projektleiter sind angehalten, ab einer bestimmten Projektgröße in so genannten Vorstudien den zu erwartenden Aufwand zu planen. Parallel erstellen wir eine zweite unabhängige Aufwandschätzung. Dazu dient ein Fragebogen, den die Projektleiter bearbeiten und der Fragen zu allen, zu diesem frühen Zeitpunkt erkennbaren, leistungsbeeinflussenden Risiko- und Kontextfaktoren umfasst. Die fachlichen Anforderungen werden genau analysiert und in ihrer Komplexität bewertet. Unter Einsatz der Komplexitätsund Aufwandsparameter und der Benchmarks aus dem Messverfahren kommen wir so zum voraussichtlichen Aufwand. Das nun folgende Beratungsgespräch mit dem Projektleiter ist wichtiger Kern des Prozesses, hilft Fehler zu vermeiden und die Aufwandsplanung zu optimieren. Und natürlich ergibt sich so auch ein gewisser Zwang, sich mit marktüblichen Standards zu vergleichen.

Ist der Projektleiter damit nicht in gewisser Weise entmachtet?

Schmidt: Nein, keineswegs. Er verantwortet das Projekt, also fällt er auch die Entscheidungen z.B. über die tatsächliche Angebotshöhe gegenüber unseren Kunden. Unsere Projektleiter sind im Gegenteil sehr offen für die Unterstützung, denn wir geben ihnen zusätzliche Sicherheit, einen auch für die Kunden günstigen, den gestellten Anforderungen und der geplanten Leistung entsprechenden Preis zu ermitteln. Heute will jeder unserer Kunden selbstverständlich ganz genau wissen, was er bekommt und was er dafür maximal ausgeben muss.

Und was hat das Ganze im Endeffekt gebracht?

Schmidt: Wir haben abgeschlossene SAP Projekte in 2003 und 2004 miteinander verglichen und eine sehr schöne Produktivitätssteigerung im Hause selbst und gegenüber den Benchmarks nachweisen können. Sie lag sogar deutlich über unseren selbst gesetzten Zielen aus der Balanced Scorecard. Wir sind jetzt in der Lage, die Effizienz unserer Projekte und damit den Erfolg auch der vielen Prozessverbesserungen, die in unserem Hause permanent initiiert und durchgeführt werden, sauber zu analysieren. Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Effekt: Mit Hilfe der Aufwandschätzung können wir teure Ausreißer verhindern. Umgekehrt haben wir jetzt aber auch die Transparenz, um positive Projektbeispiele zu identifizieren und aus ihnen zu lernen.

Download des Interviews IT-Benchmark bei der HVB Systems als PDF-Datei

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